Vanity Fair für Geeks? Die neue deutsche Ausgabe von Wired

Letztes Wochenende im Posttower bei DJV Besser Online liegt da die erste deutsche Ausgabe des amerikanischen „Wired“-Magazins


http://www.wired.de/
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Zuständig für die deutsche “Wired”-Ausgabe ist Condé-Nast-Herausgeber Moritz von Laffert. Ah, das ist ja der Verlag, in dem „Vanity-Fair“ erscheint, diese in der amerikanischen und englischen Ausgabe gelungene Mischung aus „Spiegel“ und „Bunte“/“Gala“. Die deutsche Ausgabe von „Vanity Fair“ rutschte leider nach wenigen Ausgaben  zu sehr auf die „Bunte“-Seite ab – und verschwand ziemlich bald von den Kiosken.

Wieder zu Hause angekommen, fange ich das Blättern und Lesen an. Hier mein erster Eindruck aus weiblicher Sicht:

„Wired“ ist bunt und lässt sich schön blättern – dann bleibt man auch öfters  interessiert  hängen. Die Artikel stellen verschiedene interesante Leute vor, viele Männer fotografiert in Annie-Leibowitz-Beleuchtung, viele Portraits von Tech-Leuten, Koketterie mit Geek und Nerd (ach sind wir nicht alle ein wenig Geeks?).

Ja, wie habe ich „Wired“ als Leserin erlebt?

„Wired“ hat ein paar weibliche Beiträgerinnen ins Boot geholt:

(Foto: Anke Gröner (in rot) auf der re:publica 2011 )

Film-, TV- und Food-Bloggerin Anke Gröner
http://www.ankegroener.de/
schleckt die Erzeugnisse Schokoladen-Frau Alyssa Jade McDonald.

Modebloggerin und SPD-Social-Media-Frau Tessa Bücker


http://flannelapparel.blogspot.com/
schreibt über Paare im Netz.

Eva Schulz stellt Geheimtipp Julia Probst


http://meinaugenschmaus.blogspot.com/
vor. Die Gehörlose kämpft für Barrierefreiheit und unterstützt so gut wie jede große Fußball-TV-Übertragung  mit ihren Lippenlese-Twits unter @EinAugenschmaus.  Stichwort Geheimtipp: Wer im April auf der re:publica in Berlin war, hat sowohl Julia Probst als auch Anke Gröner dort erlebt und kennt sie wahrscheinlich schon länger…

Aber ok, soweit fühle ich mich als Leserin gut bedient.

Das Grundsätzliche an Wired sieht aber so aus:

Die Zielgruppen-Analyse war offenbar eindeutig: Der männliche Teil der Bevölkerung soll es  sein. So eine Definition macht das Marketing so (scheinbar) einfach wie Werbung für so eindeutige Gender-TV-Segmente wie Sportschau, Champions-League und auf der weiblichen Kundenseite „Desperate Housewives“.

Das führt dann dazu, dass „Wired“ im Bündel mit dem Männermagazin “GQ” verkauft wird.

Da habe ich als Leserin eine Befürchtung, die sich bei der Tech-Professorin und Bloggerin  Cindy Royal Ende letzten Jahres bereits in einer E-Mail an die amerikanische Ausgabe von „Wired“ konkretisiert hat.  Auf
http://tech.cindyroyal.net/?p=790

Sie schreibt in ihrem Artikel „An Open Letter to Wired Magazine“ über ihrer Ansicht nach zu  viel weibliche Nacktheit auf den Covern, zuwenig über kompetente Frauen drinnen.

Das wünsche ich mir, ganz offen gesagt, für die deutsche Ausgabe nicht. Wenn die Redaktion mal einen Blick in irgendein Barcamp oder die nächste re:publica werfen möchte: Da nehmen regelmäßig kompetente – und attraktive Frauen mit Biss teil, die sich  für Tech- und Social Media-Themen interessieren.

Werde mich also mal an der einer iPad-App versuchen – einstweilen viel Glück!