Gelungener Pitch für Aktenfuchser und Verhandlungstiger: die Sherpas der Wirtschaftsgipfel

Es gibt Leute, die haben einen verdammt schwierigen Job, aber die Berufsbezeichnung lautet dann so: Beamteter Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie oder: Wirtschafts- und Finanzpolitischer Berater der Bundeskanzlerin im Bundeskanzleramt.

Das letztere ist die Berufsbezeichnung von Dr. Jens Weidmann.

(Foto: rp-online.de)

Was macht der Mann – vor allem vor und bei Wirtschaftsgipfeln? Er bereitet die Wirtschaftsgipfel vor, kämpft während des Gipfels für sein Land und hat die Arbeit mit den Ergebnissen in der Nachbereitung.

Er hat: die Arbeit. Seine Kanzlerin Angela Merkel hat: im Zweifelsfall die Lorbeeren.

Kommt Ihnen das bekannt vor?

(Foto: e-blogs.wikio.de)

Schon der berühmte Bergsteiger Sir Edmund Hillary, Erstbesteiger des Mount Everst, hatte seinen Sherpa Tenzing Norgay dabei.

(Foto: bbc.co.uk)

Aus diesem Grund lautet die Berufsbezeichnung für die, die vorher, während und nach den Wirtschaftsgipfeln ackern, Sherpas.

Das Wort stammt aus dem Nepalesischen und bezeichnet die einheimischen und ortskundigen Bergführer im Himalaya-Gebirge.

Der Volkswirtschafler Dr. Jens Weidmann hat eine excellente Vita, in der es von Begriffen wie “Internationalem Währungsfonds” und “Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung” nur so wimmelt.

Der Pitch “Sherpa” fasst es dann doch kurz und bidlhaft-griffig zusammen. Nachdem Weidmann nicht nur für die für die inhaltliche und strategische Vorbereitung der G20-Runde zuständig war, sondern von Kanzlerin Angela Merkel 2009 auch noch als Sherpa des G8-Gipfels berufen worden ist, hat der Spiegel Weidmann zum “Super-Sherpa” ausgerufen.

“Sherpa” als Pitch für eine lange Berufsbezeichnung ist übrigens ein sogenannter “High-Concept-Pitch”: Man braucht nur ein Wort, um eine Arbeit zu erklären und gleichzeitig noch Bilder aufzumachen.

Ein griffiger, bildhafter Begriff wie der “Sherpa” der Gipfeltreffen bekommt dann sogar noch Zusatzbegriffe:

Auf der Webseite des Auswärtigen Amtes (http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Aussenpolitik/InternatOrgane/G8/Uebersicht.html)

heißt es zu Weidmann: “Er wird unterstützt von einem Sous-Sherpa für den Bereich globaler Entwicklungs-, Umwelt-, Energie- und Handelsfragen sowie vom Politischen Direktor für Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik.”

Wie beim Sous-Chef in der großen Küche steht der Sous-Sherpa dem Sherpa zur Seite. Auch der “Sous-Sherpa” ist ein “High-Concept-Pitch”. Er lässt dabei  mit dem Französischen als alter Sprache der Diplomatie elegant das “unter” verschwinden – und macht noch das Bild mit der Sterne-Küche auf.

Noch ein Bild – weiter so! Gibt´s noch andere Beispiele?