Pitch Hoch Drei: Der High Concept Pitch

Ein Pitch ist eine Kurzpräsentation, nicht mehr und nicht weniger. Wir brauchen ihn, um andere schnell und bildreich über uns oder unser Projekt zu informieren. Eine kleine hörbare Vistenkarte. Wen´s nicht interessiert, wer wir sind und was wir machen – Schwamm drüber, macht nichts.

Trotzdem, da kann ein Job dran hängen, manchmal Millionen Dollar oder Euro.

An einem Satz? Aber es gibt doch soviel zu erzählen zu unserem Herzensprojekt…

Hollywoods Drehbuchautoren hatten dieses kleine Dilemma schon immer. Produzenten haben wenig Zeit und manchmal auch nur wenig Aufmerksamkeit für ihr Gegenüber übrig. Eintagsfliegen haben manchmal mehr, wenn es um ein Stück Pflaumenkuchen geht, (aber den wollen sie ja auch).

Autoren haben also einen Stoff, der eineinhalb Stunden Film füllen soll oder 340 Seiten. Wie das so eindosen, dass man sich auch noch etwas dabei vorstellen kann?

Hier kommt das ins Spiel, was die Profis High Concept Pitch nennen. So nennt man ein Projekt, das man in einem Satz, oder besser noch, in 3-4 Worten ausdrücken kann.

Hier kommt die Geschichte zu einem High Concept Pitch, der Furore gemacht hat.

2005 hatten die beiden Drehbuchautoren John Heffernan und Sebastian Guitierrez eine Idee.

John Heffernan (Foto: ghostradio.wordpress.com)

Sebastian Guitierrez (Foto: filmschoolrejects.com)

Die Geschichte:

Ein FBI-Agent landet in einem Flugzeug voll mit tödlichen, aggressiven Schlangen, die ein Gangsterboss extra ins Flugzeug geschafft hat. Sie sollen den Zeugen töten, den der Agent von Honolulu nach Los Angeles bringen muss, damit der vor Gericht gegen seinen Boss aussagen kann.

Der Pitch zum Filmprojekt besteht aus genau vier Worten, die dann auch den Filmtitel darstellten:

Snakes On A Plane

(Schlangen im Flugzeug).

(Foto: best-horror-movies.com)

Allein die Info über das Filmprojekt löste in verschiedenen Internetforen und Blogs Diskussionen aus. Wer mehr darüber lesen möchte:

http://de.wikipedia.org/wiki/Snakes_on_a_Plane

Zu Protesten kam es, als das Studio beschloss, den Arbeitstitel  in Pacific Air Flight 121 zu ändern. Die Proteste der Fans sorgten dafür, dass der Filmtitel wieder in Snakes On A Plane geändert wurde.

Für die, die´s noch nicht gemerkt haben – was ist denn nun so toll an diesen vier Worten?

1. In vier Worten bekommt man den ganzen Film

2. Es ist bildhaft, Dummchen! (Etwas Gefährliches wie Schlangen, dazu noch in einem so engen Raum wie einem Flugzeug, man kann da nicht entfliehen, usw….)

3. Auch wichtig: Man weiß sofort, das es sich nicht um einen Liebesfilm, nicht um einen Krimi, sondern um einen Action- oder Horrorfilm handelt.

Durch all das machte allein schon der Pitch von Heffernan und Guitierrez Furore. Dabei spielte dann gar nicht mehr so eine große Rolle, dass der eigentliche Film gar nicht so viel Geld einspielte.

Andere Ideen zum High Concept Pitch?

1,2,3 – fertig ist ein Super-Pitch: Eat, Pray, Love

Eat Pray Love: Eine Frau auf der Suche nach allem quer durch Italien, Indien und Indonesien, so heißt der deutsche Buchtitel.

Elisabeth Gilbert, die Autorin, beschreibt in ihren Bestseller, wie sie ihr Leben umgekrempelt hat. Sie macht sich auf die Suche nach den einfachen Dingen: Essen. Beten. Lieben. Die Dinge, die sie als wichtig erachtet, versucht sie nun zu er-leben.

Das ist ein autobiografischer Roman.

Warum aber interessiert so viele Menschen, was diese New Yorker Medienfrau sich da  als Selbsterfahrung vorgenommen hat?

Ich glaube, es ist der Titel.

Vom Agenten, der das Buch zum Verlag gebracht hat, bis zu den Leserinnen war allen klar, was sie erwartete: Essen, Beten, Lieben.

Und wir reden hier nicht darüber, wie Frau Gilbert schreibt, mi geht es gerade nur darum, wie sie die Aufmerksamkeit von so vielen gewinnen konnte.

Für alle, die sich dazu noch für Dramaturgie interessieren (das ist, wie man sieht, auch bei einem autobiografischen Werk möglich), ist es auch so einfach wie Schnee:

Prolog: Idee und Abfahrt

1. Akt: Essen

2. Akt: Beten

3. Akt: Lieben.

Und weil das so verblüffend einfach wirkt, hat sich Julia Roberts dazu entschlossen, in der Verfilmung die Hauptrolle zu spielen:

(Foto: filmkinotrailer.com).

Das Plakat kann sogar zwei der drei Akte abbilden: Essen und Lieben. Ich finde, das ist – ganz abgesehen von jeglicher Qualität beim Text oder beim Film – ziemlich genial gemacht.

Wie denkt ihr?

 

 

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