Sagenhaft kurze 52 Sekunden hat die junge Eventmanagerin in ihrem preisgekrönten Pitch für ihr Unternehmen www.evergreenevents.de gebraucht, den ich beim letzten Mal vorgestellt habe. Sympatische Austrahlung, interessantes Angebot.
Und es geht auch noch besser! Ich habe den Text des Pitches mal aufgeschrieben:
„Sie planen eine Veranstaltung, haben aber keine Lust auf den organisatorischen Aufwand und den damit verbundenen Stress – dann sind Sie bei mir genau richtig.
Mein Name ist Ines Müller und als selbstständige Event-Managerin sorge ich dafür, dass Sie bei Ihrer Veranstaltung sich entspannt zurücklehnen können und als perfekter Gastgeber in Erscheinung treten können.
Dabei lege ich größten Wert auf Nachhaltigkeit, denn auch bei Ihrer Veranstaltung kann man eine Menge tun, um die Umwelt schonend zu behandeln.
Sich einen Pitch zu basteln ist gar nicht so einfach, wie es einem vielleicht vorkommen mag. Wieso? Weil viele kleine Bestandteile dazu gehören. Was es alles braucht, und wie man dabei vorgehen kann, wenn man sich seinen persönlichen Pitch bauen kann, das möchte ich hier in einer kleinen Reihe, vorstellen. Ich habe sie einfach mal “die Pitch-Klinik” genannt.
Für meinen Workshop “Der Fahrstuhl-Pitch – die kurze, erfolgreiche Selbstpräsentation” auf der WoMenPower 2011 auf der Hannovermesse http://site.hannovermesse.de/54914
war ich auf der Suche nach Beispielen, mit denen man üben kann.
Bei www.youtube.com findet man immer was. So auch hier den Pitch einer jungen Event-Managerin. Sie hat im letzten Jahr beim Osnabrücker Gründer- & Jungunternehmertag beim Wettbewerb Elevator-Pitch den dritten Platz belegt.
Normalerweise beschreibt man ja mit einem Pitch, oder einem Fahrstuhl-Pitch, also einer Kurzvorstellung, etwas, das das Gegenüber vielleicht in dieser Form noch nicht gehört hat bzw. noch nicht kennt.
Neulich las ich in der Süddeutschen Zeitung www.sz.de im Wirtschaftsteil einen Pitch, der rückwärts läuft.
Die Süddeutsche stellt in einer Reihe im Wirtschaftsteil regelmäßig Marken vor. Woran definiert man eine Marke? Auf jeden Fall damit, dass sie so gut wie jeder kennt.
Und wer, der in die Schule gegangen ist, ist nicht früher oder später einem Reclam-Heft in die Quere gekommen? Oft wird man die gelben kleinen Dinger vor Wut in die Ecke gepfeffert haben, oder sie haben in der Schultasche ein paar Knicks und Eselsohren bekommen.
Egal wie: die kleinen Reclam-hefte, früher naturweiß seit vielen Jahren gelb, gehören einfach ins Leben, wenn man deutsch liest.
Das Theater Oberhausen spielt seine Iphigenie auf Tauris von Goethe derzeit auch in einem Meer aus gelben Reclamheften:
Der schlägt einen Salto rückwärts: Er wendet sich an die, die von der Bedeutung des Reclamverlages und der Bedeutung der kleinen Heftel für die deutsche Kultur keine oder wenig Ahnung haben. Einem Amerikaner oder einem Webadikten schlägt die SZ in ihrem Artikel über den Reclam-Verlag deshalb folgende Erklärung vor:
“Reclam – das ist die App des 19. Jahrhunderts.”
Hat mich beeindruckt. Gibts andere Beispiele für einen Salto rückwarts?
Ich habe vor Kurzem ein kleines Webinar über den Fahrstuhl-Pitch gehalten – da man die Folien ohne Kommentar doch schlecht versteht, kommen jetzt hier sind in lockerer Reihe ein paar Tipps und Stories dazu.
Man liest immer, wenn es um Pitch, also um eine Kurzpräsentation, geht, dass man über sein Gegenüber informiert sein soll. Gut gesagt, klappt aber auch nicht immer. Manchmal ist man richtig erschlagen, wen man da plötzlich vor sich hat.
Es ist auf jeden Fall gut, wenn man weiß, was das eigene Alleinstellungsmerkmal, die Unique Selling Proposition (USP) ist.
Und das kann sein: „Ich bin klein, aber oho!“
Wie die Geschichte des Pitches von Ken Rotcop zeigt.
(Foto: Hanna-Barbera.com)
Ken Rotcop
Hier das Video dazu auf Youtube , wo Rotcob die Geschichte (auf Englisch) erzählt –
und noch sein neues Buch dazu verkauft ).
Rotcop war zu dem Zeitpunkt der Geschichte der Creative Director von Hanna Barbera.
(Foto: nicoles-funworld.de)
Das ist das Haus, das Fred Feuerstein („Wilmaaa!“) und die Jetsons erfunden hat.
Ken Rotcob sollte eines Tages unerwartet den großen alten Kinderbuchautor E.B.White anrufen.
(Foto:famousdead.com)
Er sollte White davon überzeugen, nicht mit Walt Disney abzuschließen, um sein Kinderbuch „Charlotte´s Web“ („Wilbur und Charlotte“) verfilmen zu lassen.
(Foto:amazon.com)
Als Ken Rotcob bei White anrief, war der eigentlich schon entschlossen, mit Disney abzuschließen. Das war schließlich der Marktführer. Wie konnte Rotcob ihn zu Hanna Barbera zu holen?
Rotcob erzählt, er habe folgendes zu E.B. White gesagt: „Sie kennen ja “Disney´s Schneewittchen“ und Disney´s „Dumbo“. Bei Disney wird Ihr Werk immer „Disney´s „Charlotte´s Web“” sein, bei uns wird es „E.B. White´s Charlotte´s Web“ sein.“ White schloss mit Hanna-Barbera ab.
Rotcop hatte etwa eine 50/50-Chance, E.B. White zu überzeugen. Ein Pitch ist wirklich nur eine Kurzpräsentation und kein Vortrag. Er ist eine kleineVisitenkarte. Auch wenn man vielleicht am falschen Baum gebellt hat („kein Interesse“) – macht nichts – locker bleiben!
Natürlich kommt es darauf an, wie das Gegenüber tickt und was es gerade am Nötigsten hat. In folgenden Beispiel geht es „einfach“ um Geld.
W. Mark Felt und Familie
(Foto: rightwingnuthouse.com)
Über 30 Jahre nach der berühmten Watergate-Affäre erklärte sich 2005 der ehemalige Vize des FBI, W. Mark Felt, zu einem großen Interview mit der amerikanischen Zeitschrift Vanity Fair bereit.
Der 91-jährige gab zu, dass er der mysteriöse „Deep Throat“ war, der die beiden Enthüllungs-Journalisten Woodward und Bernstein mit den entscheidenden Fakten über die Affäre versorgt hatte. Das führte u.a. später dazu, dass der amerikanische Präsident Nixon abtreten musste.
Der Grund? Felt fühlte sich verpflichtet, seinen Kindern und Enkeln ein bisschen Geld für ihre Ausbildung zu hinterlassen, bevor er starb. Für ihn war plötzlich Geld interessant.
Elisabeth Gilbert, die Autorin, beschreibt in ihren Bestseller, wie sie ihr Leben umgekrempelt hat. Sie macht sich auf die Suche nach den einfachen Dingen: Essen. Beten. Lieben. Die Dinge, die sie als wichtig erachtet, versucht sie nun zu er-leben.
Das ist ein autobiografischer Roman.
Warum aber interessiert so viele Menschen, was diese New Yorker Medienfrau sich da als Selbsterfahrung vorgenommen hat?
Ich glaube, es ist der Titel.
Vom Agenten, der das Buch zum Verlag gebracht hat, bis zu den Leserinnen war allen klar, was sie erwartete: Essen, Beten, Lieben.
Und wir reden hier nicht darüber, wie Frau Gilbert schreibt, mi geht es gerade nur darum, wie sie die Aufmerksamkeit von so vielen gewinnen konnte.
Für alle, die sich dazu noch für Dramaturgie interessieren (das ist, wie man sieht, auch bei einem autobiografischen Werk möglich), ist es auch so einfach wie Schnee:
Prolog: Idee und Abfahrt
1. Akt: Essen
2. Akt: Beten
3. Akt: Lieben.
Und weil das so verblüffend einfach wirkt, hat sich Julia Roberts dazu entschlossen, in der Verfilmung die Hauptrolle zu spielen:
(Foto: filmkinotrailer.com).
Das Plakat kann sogar zwei der drei Akte abbilden: Essen und Lieben. Ich finde, das ist – ganz abgesehen von jeglicher Qualität beim Text oder beim Film – ziemlich genial gemacht.
Mir ist es auch schon mal passiert: Jemand fragt nach einem neuen Projekt oder nach dem, an was ich gerade arbeite, und ich fange an mit einer sehr weitschweifigen Erklärung, die gar nicht aufhören will. Mein Gegenüber? ist offensichtlich nicht so beeindruckt wie erwünscht.
Mit einem guten Pitch kann man sich und sein Projekt kurz und knackig rüber bringen in gut 15 Sekunden oder drei Sätzen.
Pitching ist ein Begriff aus dem Baseball:
Der Pitcher steht in der Mitte des Innenfeldes auf dem Pitcher’ s Mound, einem ca. 30 cm hohen Hügel, und wirft von dort dem jeweiligen Schlagmann (Batter) der Schlagmannschaft, bzw. dem dahinter hockenden Fänger (Catcher) seiner eigenen Mannschaft, die Bälle zu.
Der Begriff bedeutet also, den Ball ins Spiel zu bringen. In einigen deutschen Veröffentlichungen heißt es dazu, das seien die Manager gewesen, die sich diese Kurzpräsentation ausgedacht haben, ich denke da anders (weil ich vieles aus den USA lese)
Also hier mein Pitching-Mythos nach dem Motto „werr hat´s errfunden?“:
Den Begriff des Pitch oder des Pitchings haben die Drehbuchautoren in Hollywood benutzt. Man stelle sich vor, man schmeißt sich in sein ungefüttertes Armani-Jackett (denn es ist heiß in LA) und hat einen Termin mit einem der mittleren Studiobosse.
Der hat nicht viel Zeit (2-3 Minuten und die Aufmerksamkeits-spanne einer Stubenfliege). Noch anspruchsvoller: Man trifft diesen Manager auf irgendeinem Meeting und landet im gleichen Fahrstuhl – 2-3 Stockwerke hat man Zeit, um sich und ein neues Projekt vorzustellen.
Was ist dabei wichtig? Und was kann man alles falsch machen?
Hier auf www.pitchperfekt.com gibt es künftig alles Mögliche zum Thema Pitch und Kurzpräsentation.
Den 10 Sekunden-Pitch, den, der auch eine Viertelstunde dauern kann und die Königsdisziplin: den High Concept Pitch.
Das ist ein Pitch, in dem das, um was es geht , bildreich und allgemein verständlich in einem einzigen Satz beschrieben wird,.
Wie sowas geht, wusste als alter Zeitungs-Redakteur schon der alte Fontane.